Mo stand mitten in seinem Zimmer in Köln. Um ihn herum lagen Kisten wie stumme Berge. Draußen rumpelte die Straßenbahn vorbei, und plötzlich klang alles fremd. „Ich will nicht weg!“, platzte es aus ihm heraus. Seine Stimme zitterte vor Wut, und hinter der Wut saß die Traurigkeit wie ein dicker, grauer Stein.Fatima und Yusuf setzten sich zu ihm auf den Boden. Sie sagten nicht: „Sei nicht traurig.“ Sie hörten einfach zu. Dann legte Yusuf Mo einen kleinen Holzanker in die Hand. „Für mutige Herzen“, sagte Fatima leise. Mo strich mit dem Daumen darüber. Der Anker war klein, aber er fühlte sich fest an.
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Mo stand mitten in seinem Zimmer in Köln. Um ihn herum lagen Kisten wie stumme Berge. Draußen rumpelte die Straßenbahn vorbei, und plötzlich klang alles fremd. „Ich will nicht weg!“, platzte es aus ihm heraus. Seine Stimme zitterte vor Wut, und hinter der Wut saß die Traurigkeit wie ein dicker, grauer Stein.Fatima und Yusuf setzten sich zu ihm auf den Boden. Sie sagten nicht: „Sei nicht traurig.“ Sie hörten einfach zu. Dann legte Yusuf Mo einen kleinen Holzanker in die Hand. „Für mutige Herzen“, sagte Fatima leise. Mo strich mit dem Daumen darüber. Der Anker war klein, aber er fühlte sich fest an.
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Am nächsten Morgen fuhr Mo mit Fatima und Yusuf los. Köln blieb hinter den Fenstern kleiner und kleiner, bis selbst der Dom nur noch wie eine dunkle Spitze aussah. Mo drückte den Holzanker in seiner Faust. In seinem Bauch rumpelten Wut und Traurigkeit durcheinander wie Kisten in einem Lastwagen.Als sie endlich in Hamburg ankamen, roch die Luft anders: salzig, kühl und ein bisschen nach Abenteuer. Überall kreischten Möwen, und in der Ferne glänzte Wasser zwischen den Häusern. Mo sah kurz auf seinen Anker. Vielleicht, dachte er, konnte man auch an einem neuen Ort erst einmal einfach festhalten.
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Am nächsten Tag gingen sie zu den Landungsbrücken. Mo blieb staunend stehen. Vor ihm lagen riesige Schiffe im Wasser, groß wie schwimmende Häuser. Ihre Masten ragten in den Himmel, Taue knarrten, und die Elbe glitzerte silbern im Wind. Mo umklammerte seinen Holzanker. Sein Herz war noch schwer, aber zwischen all dem Tuten und Möwenrufen blitzte zum ersten Mal Neugier auf.Da entdeckte er ein Mädchen, das ein Papierboot ins Wasser setzte. „Ich bin Leni“, sagte sie und grinste. Mo kniete sich neben sie. Gemeinsam schickten sie noch ein Boot los und sahen ihm nach. Es tanzte auf den Wellen, und in Mos Bauch wurde der graue Stein ein kleines bisschen leichter.
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„Willst du den besten Ankerplatz sehen?“, fragte Leni. Sie führte Mo ein Stück weiter, bis sie auf einer Bank direkt am Wasser saßen. Vor ihnen schaukelten Barkassen, und die Wellen klatschten leise gegen das Holz. Mo zog seinen kleinen Anker aus der Tasche. Leni strich mit dem Finger darüber. „Der ist echt stark“, sagte sie. Mo nickte. „Den habe ich bekommen, weil ich umziehen musste.“Leni dachte kurz nach. „Dann ist er ja nicht nur zum Festhalten da“, meinte sie. „Sondern auch, damit du irgendwann wieder loslassen kannst.“ Mo sah auf die funkelnde Elbe. Da fühlte sich der graue Stein in ihm nicht mehr ganz so schwer an.
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Als die Sonne tiefer sank, färbte sie das Wasser goldorange. Fatima und Yusuf kamen zu der Bank, und Mo winkte ihnen zu. Neben ihm saß Leni, vor ihm glitzerte die Elbe, und in seiner Hand lag der kleine Holzanker ganz warm. „Es ist anders hier“, sagte Mo leise. „Aber nicht nur schlimm.“ Fatima lächelte, und Yusuf nickte, als hätten sie genau darauf gewartet.Mo sah auf die Schiffe, die langsam auf dem Wasser schaukelten. Da verstand er: Traurig sein war wie schwerer Wind. Man spürte ihn noch, aber trotzdem konnte ein Boot weiterfahren. Mo steckte den Anker in die Tasche und rückte ein Stück näher an seine Eltern und an Leni. Hamburg fühlte sich noch neu an. Doch tief in seinem Herzen fand Mo seinen ersten großen Ankerplatz.